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Ursprünge: Tabak als Wunderpflanze

Lange bevor Columbus die Kunde vom Tabak nach Europa brachte, haben Griechen, Römer oder Germanen Kräuter geschnupft oder geraucht. In fast allen Religionen ist der Rauch Bestandteil religiöser Rituale. Die Tabakpflanze kannten jedoch nur die indianischen Kulturen Amerikas, und das seit über fünfeinhalb Jahrtausenden. Die Indianer rollten die getrockneten Tabakblätter dabei einfach zusammen oder rauchten sie mit Hilfe von Holz- oder Binsenrohren, Urformen der Pfeife. Aus der ursprünglichen Heimat im heutigen Nordwest-Argentinien und Bolivien verbreitete sich das Wunderkraut bis nach Kuba, von wo aus Christoph Columbus es vor 500 Jahren nach Europa brachte.

Mit rund 100 Arten ist die Tabakpflanze heute vor allem im tropischen und subtropischen Amerika vertreten, wenige Arten auch auf den Sunda-Inseln, den Pazifischen Inseln und in Australien. Die größten Produzenten sind heute China, die USA, Brasilien, Indien und die Türkei. In Deutschland findet sich Tabakanbau vor allem in der Vorderpfalz, im Hessischen Ried, im Kraichgau, in der Ortenau sowie in Franken.

Als der Tabak durch den spanischen Mönch Peter Romanus Pane, einem Gefährten des Columbus, 1496 nach Spanien kam, verbreitete sich die Pflanze zunächst als Zier- und Heilpflanze in Spanien und Portugal. Pane erzählte, dass die Wilden auf San Domingo zusammengerollte Blätter einer Pflanze in den Mund nähmen, anzündeten und zum Schutze gegen die Moskitos "tabacco", also Rauch machten. Das versuchten natürlich auch Columbus? Seeleute wie Rodrigo de Xeres, der sehr schnell zu spüren bekam, dass Rauchen wie die Indianer in Europa verpönt war: Er verbrachte zehn Jahre in den Kerkern der Inquisition, weil Tabak-Rauchen als barbarisches Teufelswerk galt. Es dauerte Jahrhunderte, bis sich das Rauchen und Schnupfen des Tabaks und damit der Tabakanbau in Europa durchsetzte.

Dazu trugen angesehene Mediziner bei, wie der Professor an der Universität Sevilla Nicolò Monardes. Dessen Buch über die Wunderheilkräfte des Tabaks erschien 1565 und wurde in viele Sprachen übersetzt. Die Pflanze an sich ist giftig, doch die Trocknung und Fermentation der Blätter macht aus den giftigen Inhaltsstoffen berauschende. Diese Wirkung beschrieb erstmals der französische Gesandte am portugiesischen Hof Jean Nicot (1530-1600), der die Tabakpflanze ebenfalls als Zier- und Heilpflanze verbreitete. Er untersuchte den Heilwert von Tabakpflanzen und versendete die Ergebnisse zusammen mit Tabaksamen an französische Höfe. So gelangten die ersten Tabaksamen schon früh in den kurpfälzischen, badischen und Straßburger Raum: 1573 zog der Hatzenbühler Pfarrer Anselmann die ersten Tabakpflanzen Deutschlands in seinem Kirchgarten. Verbreitung fand das Tabakrauchen in Deutschland jedoch erst im Dreißigjährigen Krieg durch Soldaten.

Viele namhafte Mediziner schrieben über die Heilkraft der Tabakblätter: Man glaubte, in dieser Tabakpflanze endlich die langgesuchte allheilende Wunderpflanze gefunden zu haben, deren Besitz und Genuss Krankheiten beseitigt und vor Krankheiten schützt - ein verbreiteter Wunsch in den Zeiten großer Pestepidemien, die einen großen Teil der Bevölkerung dahinrafften. So empfahl der Arzt William Barkley im Londoner Pestjahr 1614: "Mäßig angewendet gibt es in der ganzen Welt kein dem Tabak vergleichbares Medikament." Bis ins 18. Jahrhundert hinein wurde Tabak in verschiedenen Kräuter- und Haushaltsbüchern als Hausmittel gegen Krankheiten, Läuse und Schädlinge erwähnt.

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